Lasst uns über Mitarbeiter reden: Foodtruck-Event mit Sternekoch Alexander Herrmann und 350 Gästen vor dem Bundestag

22. Juni 2023 – Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG)

Der massive Arbeitskräftemangel beschäftigt nicht nur die Tourismus-, Hospitality- und Foodservice-Industrie (Gastwelt), sondern auch den Deutschen Bundestag, der aktuell an einem neuen Zuwanderungsgesetz arbeitet. Vor diesem Hintergrund hat die Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG) bei einem großen Foodtruck-Event in Berlin über 60 Ideen zur Mitarbeitergewinnung und -bindung vorgestellt und im Allgemeinen für mehr politische Unterstützung geworben. Als Schirmherren für die Pop-up-Aktion konnte der Thinktank den bekannten Sternekoch Alexander Herrmann („The Taste“) gewinnen.

„Wir denken Lobbyarbeit komplett neu und wollen nicht nur bei unseren Themen, sondern auch bei der Art und Weise, wie wir mit Politikern ins Gespräch kommen, innovative Wege gehen. Daher haben wir mit unserer Foodtruck-Aktion frische Inhalte und Streetfood-Kulinarik miteinander kombiniert“, erklärt DZG-Vorstand Alexander Aisenbrey. Und das mit großem Erfolg: So hatten Alexander Herrmann, das Team der Guerilla Chefs, Vertreter der Gastro-Family-Kampagne und die Denkfabrik-Mitglieder alle Hände voll zu tun und empfingen bei Sonnenschein über 350 Gäste aus Parlament und Regierung, darunter 80 Bundestagsabgeordnete.

Es ging am Donnerstag aber nicht nur um Gaumenfreuden, sondern auch um wichtige Themen: „Wie können unsere 240 000 Gastweltbetriebe ihre Mitarbeitenden stärker an sich binden und neue Menschen für unsere Industrie begeistern – für uns ist das die Frage des Jahrzehnts“, so Aisenbrey weiter. Ohne ausreichend Personal laufe in den Gastwelt-Sektoren Tourismus, Food- und Nonfoodservice, Gemeinschaftsgastronomie und in der Hospitality bekanntlich wenig. „Im Jahr 2022 waren in Deutschland mit über 45 Millionen erwerbstätigen Menschen so viele Personen beschäftigt wie noch nie. Es fehlen also nicht per se Köpfe. Wir sehen das aktuell größte Problem darin, dass die Wochenarbeitszeit immer weiter sinkt und wir mit fast 40 Prozent bundesweit eine sehr hohe Teilzeitquote haben. Deswegen haben wir den inhaltlichen Fokus daraufgelegt, wie Arbeitsstunden gesichert und wie wir mehr Frauen für eine Vollzeitbeschäftigung gewinnen können“, sagt Aisenbrey.

Der vorgestellte Maßnahmenkatalog umfasst über 60 Ideen und Vorschläge und richtet sich sowohl an die Politik als auch an die Gastwelt selbst: „Positive Veränderung beginnt mit uns selbst und die Verantwortung für viele Mitarbeiterthemen wie faire Bezahlung, wertschätzende Unternehmenskultur und konsequente Weiterqualifikation liegt in den Betrieben selbst“, führt Aisenbrey aus. Vor diesem Hintergrund schlägt die DZG ein klares Commitment in Sachen Löhne vor. Diese lagen im Jahr 2022 laut Statistischem Bundesamt im Vergleich aller Dienstleistungsbranchen sechs bis acht Euro unter dem Durchschnitt. Hier sei zwar schon sehr viel passiert, aber dennoch müsse man bei diesem zentralen Punkt am Ball bleiben. „Allein an der Preisspirale zu drehen, ist kontraproduktiv und ab einem gewissen Level nicht mehr möglich. Eine dauerhafte Entfristung der Umsatzsteuerreduzierung auf Speisen würde unsere Betriebe hingegen in die Lage versetzen, einen Teil des Geldes in Form von höheren Gehältern an ihre Mitarbeitenden weiterzugeben.

Der Thinktank plädiert außerdem für mehr Offenheit beim Thema 4-Tage-Woche. „Diese muss ja nicht automatisch weniger Arbeitsstunden bedeuten. Eine flexiblere Wochenarbeitszeit würde Mitarbeitenden wie Unternehmen deutlich mehr Spielraum geben“, unterstreicht Co-Vorstand Marcus Fränkle. Das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) arbeitet im Auftrag der Denkfabrik derzeit bereits zu diesem Thema an einer neuen Studie, die im Dezember 2023 veröffentlicht wird. Das DZG-Papier enthält weitere Ideen wie eine stärkere Mitarbeiterkapitalbeteiligung, die gleiche Bezahlung von Frauen und Männern (die Gastwelt soll die erste Industrie ohne Gender-Pay-Gap werden), eine steuerliche Besserstellung von Mitarbeiterwohnungen, finanzielle Unterstützung bei den immer höheren Ausbildungskosten, eine bessere regionale Vernetzung von Betrieben, um z.B. gemeinsam Betriebskindergärten einrichten zu können, und Steuerfreiheit für Zuschläge auch an Samstagen.

Das vollständige Papier finden Sie hier auf unserer Webseite.

Das Foodtruck-Event 2023 wurde mit der freundlichen Unterstützung von Alexander Herrmann, unserer F&B-Partner Frischeparadies und Gerolsteiner, sowie Ecolab und den Guerilla Chefs durchgeführt.

Hintergrund

Gastwelt

Die Gastwelt ist ein vom Fraunhofer IAO und der Denkfabrik im Jahr 2022 neu konzipierter Dienstleistungssektor, der Gastlichkeit und Lebensqualität als gemeinsames Serviceprodukt in den Mittelpunkt stellt. Die Gastwelt ist durch ihre 250.000 mittelständischen Betriebe eine tragende Säule der deutschen Wirtschaft und mit 6,2 Millionen Mitarbeitenden der zweitgrößte Arbeitgeber Deutschlands. Sie setzt sich aus den Gastwelt-Sektoren Beherbergung, Gastronomie, Foodservice, Tourismus und Freizeitwirtschaft zusammen und prägt damit den Alltag von Millionen Menschen. Als Arbeitgeber, Standortfaktor und Innovationsmotor trägt die Gastwelt maßgeblich zur wirtschaftlichen Stabilität bei und schafft als #HerzUnsererGesellschaft Orte der Begegnung und des sozialen Miteinanders. Ihre enge Verzahnung mit Handel, Mobilität, Digitalisierung und Infrastruktur macht sie zu einer unverzichtbaren Querschnittsbranche mit Millionen Arbeitsplätzen und hoher Standorttreue.

DZG

Die 2021 gegründete Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG) vernetzt auf Bundesebene Politik, Wissenschaft, Verbände und hochkarätige Vertreter aller Wertschöpfungssektoren der Gastwelt (Tourismus, Hospitality, Foodservice & Freizeit). Der interdisziplinäre und überparteiliche Thinktank fokussiert sich inhaltlich auf strategische Zukunftsthemen – wie Arbeitskräftesicherung, Wettbewerbsfähigkeit, Nachhaltigkeit, Digitalisierung und KI – und entwickelt praxisnahe Maßnahmen zur effektiveren Krisenbewältigung.

Die über 200 Mitgliedsunternehmen und Partner der Spitzenorganisation (wie z.B. die Radeberger Gruppe, Deutsche Bahn, Unilever Food, Motel One, Transgourmet, Metro, Center Parcs, Dorint, Bioland, Dussmann, NordCap, Best Reisen, FlixBus, Booking.com, Gerolsteiner) beschäftigen zusammen über 740.000 Mitarbeitende in allen Regionen Deutschlands. Außerdem engagieren sich über 20 führende Verbände und Organisationen aus allen fünf Gastwelt-Sektoren (wie z.B. die Hoteldirektorenvereinigung Deutschland HDV, der Verband Deutscher Freizeitparks VDFU, der Verband Internet Reisevertrieb VIR, der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmen, die Deutsche Barkeeper-Union DBU, die Jeunes Restaurateurs Deutschland JRE, der Industrieverband Haus-, Heiz und Küchentechnik HKI) in der DZG.