Bundeshaushalt 2025: Reduzierte Hotel-Umsatzsteuer und steuerfreie Zuschläge stehen auf dem Spiel

6. Mai 2024 – Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG)

Sparpläne des Finanzministeriums beinhalten massiven Sprengstoff – Schnelle und professionelle Antwort notwendig – DZG prüft branchenübergreifende Kampagne

Das Bundesfinanzministerium hat in der vergangenen Woche eine interne Liste mit über 20 Vorschlägen zum Abbau von „Subventionen“ in Höhe von neun Milliarden Euro vorgelegt, über die mehrere Medien berichtet haben. Mit den Sparvorschlägen soll ein Teil der prognostizierten Lücke im nächsten Bundeshaushalt in Höhe von 25 Milliarden Euro geschlossen werden. Zwei der aufgeführten Ideen betreffen direkt den Dienstleistungssektor Gastwelt (Tourismus, Hospitality, Catering und Foodservice) und würden im kommenden Jahr enormen wirtschaftlichen Schaden anrichten sowie die Mitarbeiterabwanderung massiv befördern.

„Die Liste gibt es und es handelt sich um einen Testballon des Ministeriums, um zu schauen, wie die Koalition und betroffenen Branchen darauf nun reagieren. Das wurde mir am Donnerstag von hochrangigen Finanz-Beamten bestätigt“, so der Vorstandssprecher der Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG), Dr. Marcel Klinge. Aus Sicht des ehemaligen Bundestagsabgeordneten stehe die Ampel-Regierung vor dem schwierigsten Bundeshaushalt der vergangenen Jahrzehnte. Daher müsse man die Sparvorschläge auch sehr ernst nehmen und entsprechend schnell und professionell darauf reagieren, betont Klinge.

Konkret könnte die Umsatzsteuer auf Beherbergungsleistungen wieder von sieben auf 19 Prozent steigen und die Steuerbefreiung auf Sonn-, Feiertags- und Nachtzuschläge entfallen. Davon erhofft sich das Finanzministerium Einsparungen von über zwei Milliarden Euro. „Aus unserer Sicht könnten wir vor allem den reduzierten Hotel-Mehrwertsteuersatz verlieren, da bei den steuerfreien Zuschlägen auf Sonn-, Feiertags- und Nachtarbeit deutlich mehrere Branchen wie Pflege, Verkehr und Gesundheitswesen betroffen sind. Der SPD ist dieses spezielle Thema traditionell wichtig, Hotels hingegen weniger“, zeigt sich Klinge alarmiert.

Vor diesem Hintergrund sei es zwingend notwendig, sich bei beiden genannten Sparvorschlägen nicht auseinanderdividieren zu lassen und für beide zu kämpfen. „Wir brauchen jetzt eine schnelle und zielgerichtete Antwort. Deswegen prüfen wir – zusammen mit unseren Partnern und Verbände-Netzwerk – die Umsetzung einer branchenübergreifenden und bundesweiten Kampagne mit dem Ziel, dass beide Vorschläge nicht umgesetzt werden und uns eine anstrengende Hängepartie bei der Budgetplanung unserer Unternehmen für 2025 erspart bleibt, da der Bundeshaushalt 2025 erst Ende des Jahres verabschiedet wird“, erklärt der frühere Politiker.

Hintergrund

Gastwelt

Die Gastwelt ist ein vom Fraunhofer IAO und der Denkfabrik im Jahr 2022 neu konzipierter Dienstleistungssektor, der Gastlichkeit und Lebensqualität als gemeinsames Serviceprodukt in den Mittelpunkt stellt. Die Gastwelt ist durch ihre 250.000 mittelständischen Betriebe eine tragende Säule der deutschen Wirtschaft und mit 6,2 Millionen Mitarbeitenden der zweitgrößte Arbeitgeber Deutschlands. Sie setzt sich aus den Gastwelt-Sektoren Beherbergung, Gastronomie, Foodservice, Tourismus und Freizeitwirtschaft zusammen und prägt damit den Alltag von Millionen Menschen. Als Arbeitgeber, Standortfaktor und Innovationsmotor trägt die Gastwelt maßgeblich zur wirtschaftlichen Stabilität bei und schafft als #HerzUnsererGesellschaft Orte der Begegnung und des sozialen Miteinanders. Ihre enge Verzahnung mit Handel, Mobilität, Digitalisierung und Infrastruktur macht sie zu einer unverzichtbaren Querschnittsbranche mit Millionen Arbeitsplätzen und hoher Standorttreue.

DZG

Die 2021 gegründete Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG) vernetzt auf Bundesebene Politik, Wissenschaft, Verbände und hochkarätige Vertreter aller Wertschöpfungssektoren der Gastwelt (Tourismus, Hospitality, Foodservice & Freizeit). Der interdisziplinäre und überparteiliche Thinktank fokussiert sich inhaltlich auf strategische Zukunftsthemen – wie Arbeitskräftesicherung, Wettbewerbsfähigkeit, Nachhaltigkeit, Digitalisierung und KI – und entwickelt praxisnahe Maßnahmen zur effektiveren Krisenbewältigung.

Die über 200 Mitgliedsunternehmen und Partner der Spitzenorganisation (wie z.B. die Radeberger Gruppe, Deutsche Bahn, Unilever Food, Motel One, Transgourmet, Metro, Center Parcs, Dorint, Bioland, Dussmann, NordCap, Best Reisen, FlixBus, Booking.com, Gerolsteiner) beschäftigen zusammen über 740.000 Mitarbeitende in allen Regionen Deutschlands. Außerdem engagieren sich über 20 führende Verbände und Organisationen aus allen fünf Gastwelt-Sektoren (wie z.B. die Hoteldirektorenvereinigung Deutschland HDV, der Verband Deutscher Freizeitparks VDFU, der Verband Internet Reisevertrieb VIR, der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmen, die Deutsche Barkeeper-Union DBU, die Jeunes Restaurateurs Deutschland JRE, der Industrieverband Haus-, Heiz und Küchentechnik HKI) in der DZG.