DZG alarmiert: Undifferenzierte Migrationsdebatte gefährdet notwen-dige Arbeitskräftesicherung in der Gastwelt

25. September 2024 – Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG)

Thinktank wirbt für klare Thementrennung und fordert vereinfachte Fachkräfte-Einwanderung

Mutmaßlich islamistisch motivierte Anschläge in Deutschland haben in den vergangenen Wochen die Migrationsdebatte verschärft und dürften zu strengeren Regeln und Kontrollen führen. Die Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG) wirbt trotz politisch aufgeheizter Stimmung für eine klare Trennung von qualifizierter Arbeitskräfteeinwanderung und allgemeiner Migrationsfragen. „Bereits heute ist es für viele Betriebe schwer, offene Stellen kompetent zu besetzen. Diese Entwicklung wird sich nach einer Prognose des Fraunhofer IAO bis 2030 massiv verschärfen: So werden bis Ende des Jahrzehnts zusätzlich bis zu 600.000 Mitarbeitende altersbedingt aus der Gastwelt ausscheiden. Wir müssen als Land im eigenen wirtschaftlichen Interesse also darauf achten, beide Themenkomplexe strikt voneinander zu trennen“, betont DZG-Vorstandssprecher Dr. Marcel Klinge.

Die Gastwelt, zu der die Branchen Tourismus, Hospitality, Foodservice und Freizeitwirtschaft gehören, leidet seit längerem unter einem spürbaren Arbeitskräftemangel. Ohne gezielte politische Gegenmaßnahmen seien – so die DZG – gerade viele inhabergeführte Betriebe existenzgefährdet, auch weil unter diesen Voraussetzungen kaum noch Nachfolger gefunden werden. „Eine sachliche Differenzierung zwischen den Themen Arbeitskräfteeinwanderung und Migration verhindert, dass potenzielle Arbeitskräfte aus dem Ausland abgeschreckt werden. Unsere Volkswirtschaft ist aufgrund der demografischen Entwicklung zwingend auf qualifizierten Arbeitskräftezuzug angewiesen“, so der ehemalige Bundestagsabgeordnete.

Um den Mitarbeitermangel effektiv zu bekämpfen, schlägt die Denkfabrik u.a. die Anerkennung eines unbefristeten Arbeitsvertrags als „Green Card“ vor. Mit dieser Lösung könnten ausländische Fachkräfte deutlich schneller als bisher vor Ort eingesetzt werden. Gleichzeitig müssten jetzt bürokratische Hürden abgebaut und die Anerkennung von Berufserfahrung aus dem Ausland radikal vereinfacht werden. Klinge: „Trotz vieler Verbesserungen beim neuen Zuwanderungsrecht hören wir immer wieder, dass die Terminvergaben in den deutschen Auslandsvertretungen monatelang dauern und es erheblichen Aufwand bei der Anerkennung von Zeugnissen gibt. Diese administrativen Engpässe könnten wir mit unserem Vorschlag schnell und unkompliziert beseitigen und damit vor allem mittelständische Betriebe bei der Personalgewinnung aus dem Ausland effektiver unterstützen.“

Hintergrund

Gastwelt

Die Gastwelt ist ein vom Fraunhofer IAO und der Denkfabrik im Jahr 2022 neu konzipierter Dienstleistungssektor, der Gastlichkeit und Lebensqualität als gemeinsames Serviceprodukt in den Mittelpunkt stellt. Die Gastwelt ist durch ihre 250.000 mittelständischen Betriebe eine tragende Säule der deutschen Wirtschaft und mit 6,2 Millionen Mitarbeitenden der zweitgrößte Arbeitgeber Deutschlands. Sie setzt sich aus den Gastwelt-Sektoren Beherbergung, Gastronomie, Foodservice, Tourismus und Freizeitwirtschaft zusammen und prägt damit den Alltag von Millionen Menschen. Als Arbeitgeber, Standortfaktor und Innovationsmotor trägt die Gastwelt maßgeblich zur wirtschaftlichen Stabilität bei und schafft als #HerzUnsererGesellschaft Orte der Begegnung und des sozialen Miteinanders. Ihre enge Verzahnung mit Handel, Mobilität, Digitalisierung und Infrastruktur macht sie zu einer unverzichtbaren Querschnittsbranche mit Millionen Arbeitsplätzen und hoher Standorttreue.

DZG

Die 2021 gegründete Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG) vernetzt auf Bundesebene Politik, Wissenschaft, Verbände und hochkarätige Vertreter aller Wertschöpfungssektoren der Gastwelt (Tourismus, Hospitality, Foodservice & Freizeit). Der interdisziplinäre und überparteiliche Thinktank fokussiert sich inhaltlich auf strategische Zukunftsthemen – wie Arbeitskräftesicherung, Wettbewerbsfähigkeit, Nachhaltigkeit, Digitalisierung und KI – und entwickelt praxisnahe Maßnahmen zur effektiveren Krisenbewältigung.

Die über 200 Mitgliedsunternehmen und Partner der Spitzenorganisation (wie z.B. die Radeberger Gruppe, Deutsche Bahn, Unilever Food, Motel One, Transgourmet, Metro, Center Parcs, Dorint, Bioland, Dussmann, NordCap, Best Reisen, FlixBus, Booking.com, Gerolsteiner) beschäftigen zusammen über 740.000 Mitarbeitende in allen Regionen Deutschlands. Außerdem engagieren sich über 20 führende Verbände und Organisationen aus allen fünf Gastwelt-Sektoren (wie z.B. die Hoteldirektorenvereinigung Deutschland HDV, der Verband Deutscher Freizeitparks VDFU, der Verband Internet Reisevertrieb VIR, der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmen, die Deutsche Barkeeper-Union DBU, die Jeunes Restaurateurs Deutschland JRE, der Industrieverband Haus-, Heiz und Küchentechnik HKI) in der DZG.